Kündigung wegen Krankheit: Was Arbeitnehmer jetzt tun sollten

Was man als Arbeitnehmer im Fall einer Kündigung wegen Krankheit tun sollte, weiß Arbeitsrechtler Bredereck.
Arbeitnehmer Anwalt

Ein Arbeitnehmer ist wegen Krankheit arbeitsunfähig, er fehlt deshalb am Arbeitsplatz und befürchtet die Kündigung. Anwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck hat Tipps für Arbeitnehmer: Wann ist mit einer Kündigung wegen häufiger Krankheit zu rechnen? Wie lässt sich die Kündigung vermeiden? Mit welcher Strategie ist eine Abfindung erreichbar?

 

Wann wird es kritisch für den Arbeitnehmer, wenn er häufig erkrankt ist? Mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes wird der häufig fehlende Arbeitnehmer eher rechnen müssen, wenn er in einem Kleinbetrieb arbeitet. In einem Kleinbetrieb oder bei kurzer Beschäftigungsdauer gilt nämlich das Kündigungsschutzgesetz nicht. Der Arbeitgeber kann seinen häufig erkrankten Mitarbeiter in dem Fall grundsätzlich kündigen, ohne dass er die Kündigung mit den häufigen Fehlzeiten begründen muss.

 

Wie sieht es aus bei größeren Arbeitgebern? Wenn das Kündigungsschutzgesetz anzuwenden ist, braucht man für die Kündigung einen Kündigungsgrund, und dieser kann durchaus in der häufigen Erkrankung des Arbeitnehmers liegen. Ein größerer Arbeitgeber darf einem häufig erkrankten Mitarbeiter unter Umständen personenbedingt kündigen.

 

Was sollte ein Arbeitnehmer tun, um sich vor einer Kündigung zu schützen? Zunächst: Kommunizieren Sie! Teilen Sie Ihrem Arbeitgeber zeitnah mit, dass Sie arbeitsunfähig sind oder dass sich Ihre Arbeitsunfähigkeit verlängert. Halten Sie die hierfür in Ihrem Betrieb geltenden Regeln peinlich genau ein. Und: Feiern Sie nicht krank! Erfahrungsgemäß erfährt es der Arbeitgeber schneller, als man denkt, ob man wirklich arbeitsunfähig ist, oder ob man sich nur eine Pause gönnt. Seriöse größere Arbeitgeber haben regelmäßig Verständnis dafür, wenn man wegen einer Erkrankung, die einen umhaut, zuhause bleibt und sich auskuriert. Ein Arbeitnehmer, der simuliert, verspielt das Vertrauen seines Arbeitgebers allerdings sehr schnell. Ihm wird im Zweifel eher krankheitsbedingt gekündigt, als dem zuverlässigen, häufig erkrankten Kollegen, der alles dafür tut, um wieder gesund zu werden, und dem man gern unter die Arme greift.

 

Was kann man im Hinblick auf eine Abfindung tun als kranker Arbeitnehmer? Regeln einhalten, nicht simulieren, und in Kommunikation bleiben. Und: Wenn absehbar ist, dass der Arbeitgeber eine Kündigung wegen Krankheit aussprechen wird, sollte man zeitnah einen Anwalt oder Fachanwalt für Arbeitsrecht aufsuchen und mit ihm eine Strategie besprechen. Bekommt man die Kündigung, rate ich dazu, am selben Tag oder spätestens am darauf folgenden Tag bei einem Arbeitsrechtler anzurufen.

 

Was tun bei betrieblichem Eingliederungsmanagement (BEM)? Will Ihr Arbeitgeber ein BEM durchführen, rate ich dazu, Ihr weiteres Verhalten mit einem Arbeitsrechtler, am besten mit einem auf Kündigungsschutz spezialisierten Fachanwalt für Arbeitsrecht abzusprechen. Denn: Häufig ist das betriebliche Eingliederungsmanagement, das BEM, eine Voraussetzung für eine Kündigung wegen Krankheit. Im BEM-Gespräch werden nämlich oft Themen angesprochen, die für den Arbeitnehmer heikel sein können, beispielsweise wenn es über die Gründe für die Arbeitsunfähigkeit geht, über die sich der Arbeitnehmer grundsätzlich nicht äußern muss. Wer hier weiß, wie er sich am besten verhält, der schützt sich besser vor einer Kündigung – und verbessert seine Chancen auf eine hohe Abfindung.



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