Fachanwalt erklärt: Nach Kündigung krank schreiben lassen?

Nach Kündigung krankgeschrieben: Das rät Fachanwalt Alexander Bredereck
Anwalt

Der Arbeitnehmer schreibt sich krank nach der Kündigung: Welche Vorteile hat das, und welche Nachteile? 

 

Vorteil: Der Arbeitnehmer hat mehr Zeit, Wichtiges zu erledigen. Nach einer Kündigung liegen viele Arbeitnehmer „flach“ und sind krankgeschrieben – zu enttäuscht und geschwächt ist man wegen der Kündigung. Die Zeit kann genutzt werden: um einen Anwalt zu suchen, der die Rechtslage erklärt und die Chancen auf eine hohe Abfindung verdeutlicht. Der Anwalt oder Fachanwalt für Arbeitsrecht klärt einen auf über Fristen: Für eine Kündigungsschutzklage bleiben beispielsweise nur 3 Wochen, für die „sofortige Zurückweisung“ nur etwa 3 Tage. Und man hat Zeit, sich rechtzeitig arbeitslos zu melden – so riskiert man keine Sperrzeit von der Bundesagentur für Arbeit für das Arbeitslosengeld.

 

Nachteil: Länger dauernde Krankheit kann Rückkehr ins Unternehmen verbauen. Eine längere Krankheit nach der Kündigung kann zu Missverständnissen führen: Der Arbeitgeber und die Kollegen werden sich fragen: Meint er das ernst, hier weiter arbeiten zu wollen? Wird der in Zukunft immer fehlen? Klar ist: Der gekündigte Arbeitnehmer baut kein Vertrauen auf, wenn er sich nach der Kündigung nicht mehr sehen lässt. 

 

Nachteil: Längere Krankheit ungünstig für Abfindungs-Verhandlungen. Selbst wenn man nach der Kündigung nicht mehr zurückkehren will: Es wirkt sich negativ auf die Verhandlungen aus, wenn man mauert. Das Hauptargument ist ja, dass man ohne eine angemessene Abfindung wieder auf seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren wird, nachdem man die Kündigungsschutzklage gewonnen hat – bekanntlich ein Graus für jeden Arbeitgeber. Da wirkt es unglaubwürdig, wenn man sich dauerhaft krankschreiben lässt.